Eine unaufdringliche Schweizer Epochengeschichte

Tages-Anzeiger, Res Strehle

Zwei Magazinjournalisten ergründen in einem tollen Reportagenband, was diesem Land seinen Reiz gibt.

Guido Mingels und Andri Pol, langjährige Mitarbeiter des «Magazins», haben ihre Reportagen in einem Buch vereint. Die beiden waren in den
Nullerjahren tragender Teil der Mittelfeldachse im Schweizer Magazinjournalismus und spielten dabei eine ähnliche Rolle wie Shaqiri und Inler heute im Schweizer Fussball: da ein überraschender Pass, dort
ein Zwischenspurt, Kreativität kombiniert mit solidem Handwerk, allzeit bereit zur Irritation des Publikums.


Die Talente blieben ausländischen Scouts nicht verborgen, und so haben beide inzwischen den Sprung zu renommierten internationalen Medien geschafft (Mingels zum «Spiegel», Pol für diverse
deutsche Zeitschriften). Das könnte bei ihnen auch mit einem Migrationshintergrund zu tun haben, schliesslich sind sie ausgewanderte Innerschweizeroder wie man sie vor dem Hintergrund der älteren
Reportergeneration aus derselben Region (Erwin Koch, Ruedi Leuthold) auch nennen könnte: Boten der Urschweiz.


Kein Wunder hat sich der Luzerner Mingels von Anfang an gut mit dem Luzerner Pol verstanden, dessen Bildsprache ab den Neunzigerjahren das «Magazin» mitprägte. Die beiden waren auf ihren «Reisen ins Landesinnere» oft als Team unterwegs und warfen mit und ohne Kamera denselben staunenden Blick auf die Schweiz. Sie entdeckten das Überraschende im Gewohnten, was ihre Befundeselbst bei grossen Kalamitätennie würdelos macht für die Beteiligten, aber auch nie
unkritisch.

 

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